Was für ein Wort kann man auch für klopfen sagen?

Eine freiwillig Engagierte der SHiP berichtet aus ihrem Alltag als LeseLernhelferin

Eine gute Lesekompetenz ist für die Entwicklung eines Menschen unerlässlich. Immer häufiger wird berichtet, dass den Kindern zu Hause wenig oder gar nicht vorgelesen wird und auch keine Kinderbücher vorhanden sind. Schule und Kindergärten können das nicht in ausreichendem Maße ausgleichen.
Die Mitwirkung unserer 50 ehrenamtlich engagierten LeseLernhelfer in der SHiP sind deshalb eine gute Ergänzung. Sie motivieren und unterstützen ein- oder zweimal in der Woche Kinder in den Klassen 1 – 4 an Bergedorfer Grundschulen beim Lesenlernen.  Aber auch bereits bei Vorschulkindern wird die Neugierde und Freude an Büchern geweckt. Und von solch einer Vorlesestunde berichtet hier die LeseLernhelferin Ingrid Kempf.


Es klopft bei Wanja in der Nacht


"Was für ein Wort kann man auch für klopfen sagen?
Bummern – pochen - klingeln – tocken –? klopfen, mit dem gekrümmten Zeigefinger auf den Fußboden, das können alle Kinder aus meiner Vorschulklasse VSK 3 – sie klopfen mit Begeisterung auf den Fußboden, alle sitzen im Kreis. Zu Beginn der Stunde habe ich drei Kindern aus der Klasse dieses Buch vorgelesen, ich bin die LeseLernhelferin: Hermine, Kiano, Kian – wir haben nur das halbe Buch lesen können, in der nächsten Woche geht es weiter.

Diesmal mit Hermine, Zoe und Kiano - es ist ein Winterbuch und es handelt von so Vielem: von Schnee, von Spuren im Schnee, von Kälte, von Tieren die in der Winternacht frieren, von großen Versprechungen, von Wärme, von friedlichem gemeinsamen Schlaf in einer stürmischen Nacht und von Vorsicht und Träumen und Wirklichkeit –

Kennst du das Wort finster?

kläglich? unsäglich?  prasseln?  verschnaufen? mit diesen Wörtern beginnt mein Vorlesen und ich frage nun die Kinder ob sie andere Worte dafür sagen können, ob sie mit ihren eigenen Worten den Sinn erklären mögen? Es geht natürlich weiter so und wir kommen recht „langsam“ voran. Trotzdem macht es ihnen Spaß und nicht alle meiner 5 und 6 Jährigen kennen die Bedeutungen. Gemeinsam kommen wir weiter.
Nach ungefähr 20 Minuten gehen wir in den Sitzkreis zu allen und die drei erzählen ihren Klassenkameraden wie die Geschichte geht: es beginnt mit dem Klopfen …
ich halte das Buch möglichst in alle Richtungen hoch, einmal rundherum damit sie die Bilder sehen können. Anhand der Bilder ergibt sich nach und nach die ganze wunderbare Geschichte die diese drei mit ihren eigenen Worten nun erzählen, immer freiwillig, wer sich meldet – das haben sie schon gelernt.

Es macht so viel Freude, wie sie bei der Sache sind, nicht allen fällt das Zuhören leicht, so ist es. Ich nehme mir Zeit. Zum Ende bevor es in die Pause geht spiele ich ein kleines Lied auf meiner mitgebrachten Mundharmonika, heute:
Lasst uns froh und munter sein … sie summen vergnügt mit und klatschen für mich. Dann flitzen sie raus auf den Schulhof. Die Klassenlehrerin Frau Meyer berichtet mir, dass sie und alle Kinder sich immer riesig auf meinen Besuch freuen. So geht es mir auch und ich freue mich schon wieder auf die nächste Woche mit einem neuen Buch."



Ingrid Kempf las aus dem Buch "Es klopft bei Wanja in der Nacht", Ellermann Verlag, Reinhard Michl – Tilde Michels