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Projekt SHiP Ahoi

Der Name des Bootes „Wammsch“ und seine Herkunft

Mit der Übernahme eines Kutters hat die SHiP nicht nur einfach ein altes Boot in ihrem Besitz, sondern sie will und muss sich auch mit der Geschichte des Bootes auseinandersetzen. 

Zuerst tauchte die Frage nach dem Namen auf. Im Netz wurden wir schnell fündig: Der Name bezieht sich mutmaßlich auf eine Figur aus dem 1930 erschienenen Roman „Gruppe Bosemüller“ von Werner Beumelburg, den Gefreiten Wammsch. Beumelburg benutzt in seinem Roman den Ersten Weltkrieg als Kulisse, um sein Verständnis von guter Kameradschaft darzustellen; der Krieg wird an keiner Stelle in Frage gestellt. Damit legt Beumelburg die Schlussfolgerung nahe, dass nur im Krieg eine gute Kameradschaft erlebbar ist. Beumelburg wurde außerdem im zweiten Weltkrieg zu einem Autor des nationalsozialistischen Regimes.

 

Mit diesen Informationen war klar, so einfach können wir den Namen nicht weiter führen. In unserem Projekt arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Fähigkeiten zusammen. Es bietet keinen Platz für nationalistisches Gedankengut, das muss sich auch im Namen äußern. Gleichzeitig war aber auch klar, wir wollen die Geschichte des Bootes nicht verschwinden lassen, sondern bis zur Fertigstellung des Kutters möglichst viel herausfinden.

 

Das ist uns bisher gelungen:

 

Durch die Erwähnung des Namens wurden während der Projektlaufzeit zahlreiche ehemalige Schüler der Heinrich-Wolgast-Schule auf das Projekt aufmerksam, die als Jugendliche mit der Wammsch unterwegs waren. Inzwischen wissen wir, dass es sich bei unserem Kutter um die Wammsch III handelt. Der Name wurde ihm bei seiner Taufe 1961 von der Schule gegeben, die seit den 1930er Jahren schon zwei Schulboote Namens Wammsch gehabt hatte - Wammsch I und Wammsch II. 

 

Bei einem Ehemaligentreffen im Oktober 2018 mit über dreißig ehemaligen Wolgast-Schülern wurde das Thema des Namens angesprochen. Die Ehemaligen betonten, sie hätten den Namen damals nicht mit kriegsverherrlichenden oder nationalsozialistischen Inhalten in Verbindung gebracht und die Lehrer, die mit ihnen auf Wanderfahrt gegangen seien, auch nicht. Für die Wolgast Schule lautete das Motto: „Es wird niemand gebeten und keiner kommandiert“. 

 

Das Haus Warwisch, das den Kutter nach der Wolgast Schule eine zeitlang genutzt hatte, hatte den Namen ebenfalls beibehalten, führte einen weiteren Kutter Namens Rammsch - und hat während dieser Zeit keine Verbindung zu dem Roman Beumelburgs hergestellt.

 

Für das Projekt SHiP Ahoi ist es unumgänglich, sich mit dem Hintergrund des Namens auseinanderzusetzen und eine gute Lösung zu finden. Dabei soll es darum gehen, der traditionsreichen Geschichte des Bootes seit den 1960er Jahren gerecht zu werden und gleichzeitig eine vollkommene Abgrenzung zu den Inhalten des Romans von 1930 und dem nationalsozialistischen Autor Beumelburg deutlich zu machen. 

 

Bis Mai 2019 möchten wir zu einer Entscheidung kommen.