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Die SHiP fördert Schwimmkurse für Frauen aus Flüchtlingsunterkünften

Schon 21 Frauen haben die  „Seepferdchen“-Prüfung bestanden

Der Verein Bergedorfer für Völkerverständigung bietet seit 2016 Nichtschwimmerkurse für Frauen aus Bergedorfer Flüchtlingsunterkünften an. Die ersten Kurse fanden im Schwimmbecken des Hauses im Park statt, mussten aber aufgrund des Platzmangels eingestellt werden. Mittlerweile finden die Schwimmkurse wöchentlich am Donnerstag im Bergedorfer Billebad statt und das Projekt hat mehr Anmeldungen als es mit seinen drei ehrenamtlichen Kursleiterinnen verkraften kann.
In den vergangenen zwei Jahren haben bereits 21 Frauen im Alter von 27 bis 60 Jahren ihr „Seepferdchen“ geschafft, ein toller Erfolg!
Traditionell dürfen Frauen in vielen konservativ-islamisch geprägten Ländern das Schwimmen nicht erlernen, um ihren Körper nicht zur Schau zu stellen.
Der Schwimmkurs in Bergedorf findet in einem öffentlichen Bad statt, d.h. die Frauen müssen traditionelle Rollenmuster ein Stück überwinden und so dient das Schwimmangebot nicht nur dem Erlernen des Schwimmens, sondern macht die Frauen selbstbewusst und unterstützt die Integration der Familien in unsere Gesellschaft.
Die Stiftung Haus im Park hat das Projekt mit 500€ gefördert. Damit werden die Eintrittskarten der Frauen in das Bille-Bad finanziert, die selbst den Beitrag nicht aufbringen können.

Der Verein hat uns den folgenden Bericht zu dem Schwimmkurs geschickt. Man liest und sieht; es ist nicht nur erfolgreich, sondern macht auch Spaß. Die SHiP gratuliert zu dieser Idee!

Schwimmen mit geflüchteten Frauen/Migrantinnen

Jeden Donnerstag von 13 – 14.30 Uhr bieten wir für Anfängerinnen und Fortgeschrittene Schwimmen an. Die Frauen kommen aus Afghanistan, Syrien, dem Iran und der Türkei und sind zwischen ein und 20 Jahren in Hamburg. Die Zusammensetzung der Gruppe ist jedes Mal verschieden, da die Frauen Termine wahrnehmen müssen, die Kinder oder sie selbst krank sind oder ein Deutschkurs beginnt. Da hilft nur ganz individualisiertes Lernen. Für Elke und mich ist das als Sport- und  Sonderpädagoginnen eher normal und so machen wir mit jeder Frau ihr persönliches Lernprogramm. Manche Frauen waren noch nie in einem Schwimmbad und trauen sich zaghaft ins Lehrschwimmbecken. Dort machen wir mit ihnen zunächst Auftriebs- und Vertrauensübungen. Manche lernen sehr schnell und üben auch viel, so dass sie nach 8 -10 x Unterricht schon eine kleine Strecke schwimmen können. Andere haben Schwierigkeiten mit der Koordination oder immer noch Angst. Aber alle genießen es, von uns auf dem Rücken liegend mit geschlossenen Augen durchs Wasser „getragen“ zu werden. Mittlerweile trauen sich einige Frauen mit einer von uns ins tiefe Wasser, springen vom Beckenrand und üben, mehr als eine Bahn zu schwimmen. Wir haben auch viel Spaß untereinander, toben und spritzen. Viele Frauen tragen einen Burkini mit oder ohne Kopfbedeckung, den der Verein spendiert hat, andere haben einen Badeanzug an. Die Schwimmmeister/innen haben sich gut an uns gewöhnt, sind freundlich und hilfsbereit. Wir möchten, dass die Frauen so gut wie möglich Schwimmen lernen, das Schwimmbad als Ort der Entspannung und körperlicher Ertüchtigung kennenlernen und sich gleichberechtigt  mit den anderen Badegästen im Wasser tummeln. Wir betrachten das Schwimmen auch als eine Einführung in die deutsche Sport- und Freizeitkultur. Viele Kinder der Teilnehmerinnen können bereits schwimmen und finden es großartig, dass ihre Mütter es nun lernen.
Uns macht es Spaß, jenseits von Leistungsdruck für jede Frau die richtige Schwimmlernstrategie zu entwickeln, das aufzugreifen, was schon da ist und uns von normierten Schwimmstilen zu lösen. Ziel ist, sich lange und sicher im Wasser fortbewegen zu können und Spaß dabei zu haben.