Abstand halten bei der Versorgung von Obdachlosen – wie geht das?

Die SHiP unterstützt die Bergedorfer Engel bei ihrer unermüdlichen Arbeit mit 3.000 Euro
 

Die Engagierten bei der Verteilung der Lebensmittel

Die Zahl der hilfebedürftigen Menschen ist groß

Bis März lief bei den Bergedorfer Engeln die Unterstützung von Obdachlosen wie immer. Aber dann kam die Corona-Pandemie mit Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und Shutdown von kulturellen und sportlichen Einrichtungen. Wie versorgt man Hunderte Obdachlose mit warmem Essen, Kleidung und Ausrüstung und hält dabei Abstand? Wie verhindert man eine Ansteckung, von Helfern und von Obdachlosen? Welche Strategie ist die beste?

Auf viele dieser Fragen haben die Bergedorfer Engel eine gute Antwort erarbeitet und gefunden.

Hier der Bericht von Susanne Diem aus 2020:

„Bis Maerz lief bei unseren Ausgaben und Versorgungsrunden alles ”normal”. Der Winter war einigermaßenmild gewesen, trotzdem mussten wir bei unseren Abendrunden des oefteren unsere Kollegen vom Kaeltemobil der Alimaus alarmieren, um unterkuehlte Obdachlose in Unterkuenfte des Winternotprogramm zu fahren.
Mit dem Corona-Shutdown brach die gesamte Infrastruktur fuer Hamburgs Obdachlose zusammen, keine Essensausgaben mehr, Tagesaufenthaltsstaetten mit Dusch- und Waschmoeglichkeiten und Kleiderkammern geschlossen, durch menschenleere Straßen fehlten die Einnahmen aus Becher und dem Pfandsammeln, aber auch soziale Kontakte mit Passanten, die auf einen Kloenschnack stehenbleiben. Nach eingehender Beratung mit in der Obdachlosenhilfe taetigen Aerzten beschlossen wir, trotz der Tatsache, dass unsere Gaeste aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes zur Risikogruppe gehoeren, unsere Sonntags-Reeperbahn-Verteilung beizubehalten, aber auf eine reine Lebensmittelausgabe reduziert, mit staendiger Abstandskontrolle von ca. 180 Gaesten.
Außerdem fuhren wir seit dem Shutdown an ca. 4 Tagen/Abenden in der Woche Hamburger Platten individuell an, insgesamt versorgten wir auf diese Art unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften ca. 200 bis 300 Menschen woechentlich mit einer Mahlzeit, Snacks und notwendigen Sachspenden wie Schlafsaecken, Waesche, Drogerieartikeln, Mundschutz, Einkaufsgutscheinen und vielem anderen mehr.

In der menschenleeren Stadt unterwegs

Zunaechst waren wir die einzigen Ehrenamtlichen, die in einer gespenstisch leeren Stadt unterwegs waren. Von Seiten der Stadt passierte nichts. Erfreulicherweise haben viele Hamburger*innen mit Herz entweder die Aermel hochgekrempelt und Beduerftige versorgt, oder/und großzuegig gespendet, z.B. zwei italienische Gastronomen haben Pasta-to-go gekocht, eine Poeseldorfer Schoenheitschirurgin Buletten mit Kartoffelsalat zum Ausliefern gepackt.
Ende Juli haben wir unser regulaeres Programm wieder hochgefahren und zusaetzlich zur Lebensmittelausgabe sonntags an die - in 1,5 m Abstand - wartenden Gaeste Essen auf die Hand ausgegeben, auch die Donnerstagsausgabe findet seitdem wieder statt, allerdings muessen wir staendig darauf bedacht sein, Menschenansammlungen zu vermeiden.
Anfang Maerz gab es einen Corona-Fall in der Winternotunterkunft, die daraufhin unter Quarantaene gestellt wurde, ansonsten sind unsere Gaeste, soweit wir informiert sind, und auch unser Team vom Virus verschont geblieben. Wir haben in dieser schlimmen Zeit viel bewegt, viele neue Unterstuetzer*innen gewonnen und haben auf der Straße - wie immer - viel Dankbarkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit erlebt. Da die Bergedorfer Obdachlosen ”im Versteck” leben, geben wir hier Sachspenden ueberwiegend an die Soziale Beratungsstelle zur Weiterleitung ab.

Zunahme an Beduerftigen

Beaengstigend ist die staendige Zunahme an Beduerftigen, die zu unseren Verteilungen kommen, an einem Sonntag (27.9.) waren es ueber 300! Da der weiße Bus und unsere privaten Autos unterdessen nicht mehr ausreichen, um Tische, Thermoboxen, Getraenke, Sachspenden und vieles mehr zu transportieren, haben wir im August unseren himmelblauen Freund als 2.Vereinsfahrzeug angeschafft, einen etwas betagten, aber zuverlaessigen und bar bezahlten VW-Transporter.“

 

Schon im letzten Jahr haben wir das Projekt mit 2.000 Euro gefoerdert. Und die Bergedorfer Engel koennen weiter auf die Unterstuetzung der Stiftung Haus im Park zaehlen!
Wer mehr ueber die Engel erfahren will: www.facebook.com/BergedorferEngel/