Corona und Ehrenamt: ein Bericht aus der Fahrradwerkstatt Kirchwerder

Die Fahrradwerkstatt der Wohnunterkunft Sülzbrack muss den Betrieb einschränken

 

Fahrradhelfer

© Diekmann

Fahrräder werden gebraucht: deshalb haben sich einige Ehrenamtliche aus Kirchwerder engagiert und gemeinsam mit Erwachsenen und Kindern aus der Wohnunterkunft Fahrräder aller Größen repariert und im Anschluss kostenfrei weitergegeben. Aber COVID-19 hat dem Projekt einen Strich durch die Rechnung gezogen. Waren die Ehrenamtlichen aus der Fahrradwerkstatt der Wohnunterkunft in Kirchwerder im Juni 2020 noch optimistisch, weiter den großen Bedarf an Fahrrädern in der Unterkunft zu erfüllen, kam mit dem Lockdown das „Aus“ auch für dieses Projekt. Der Betreiber der Wohnunterkunft (Fördern & Wohnen) hat zum Schutz der Engagierten alle Projekte der Ehrenamtlichen eingestellt.

Nun erreicht uns ein Bericht des „Einzelkämpfers“, Reinhard Marquardt (79), der kurzerhand kreativ geworden ist und „sein“ Projekt modifiziert hat:


Zuerst darf ich noch ein Dankeschön aussprechen, auch im Namen der Flüchtlingshilfe Kirchwerder. 
Fördern & Wohnen hat die Arbeit aller Ehrenamtlichen naturgemäß in dieser Zeit sehr eingeschränkt bis untersagt. Obwohl ich „Einzelkämpfer“ bin, kam meine Tätigkeit in der Einrichtung praktisch zum Erliegen; zumal ich mich mit 79 Jahren auch selbst schützen möchte. 
De facto habe ich eine Notwerkstatt zuhause eingerichtet und hole nur ab und an Ersatzteile und Werkzeuge aus der Einrichtung. Mit besonderen Schutzmaßnahmen gebe ich auch Räder an Bewohner ab. 
Dabei erkenne ich immer wieder den hohen Bedarf an Reparaturen und auch Rädern. 
Die Anzahl der gespendeten Räder ist hoch. Ich lagere und repariere sie zuhause. Die Werkstatt in der Einrichtung ist überfüllt mit fertigen und noch zu reparierenden Rädern. 
Ausgaben seit der Spende sind ca. 170€, weil ich noch gut aus Ersatzteil-Beständen schöpfen kann. 
Wie wir alle freue ich mich auf das Ende der nötigen Einschränkungen. 

Mit freundlichen Grüßen 
Reinhard Marquardt 

 

Die Stiftung Haus im Park (SHiP) hat das Projekt im vergangenen Jahr ermutigt durchzuhalten und eine Förderung in Höhe von 2.000€ beschlossen: für Ersatzteile und Werkzeug. Toll, dass Herr Marquardt versucht, den Betrieb „auf Sparflamme“ aufrecht zu erhalten. Und wir sind sicher, dass nach der Pandemie Fahrräder weiterhin gebraucht werden. Wahrscheinlich noch dringender als vorher. Wir drücken die Daumen!
 

Hier finden Sie den Beitrag aus der Bergedorfer Zeitung.