Wutzrock 2020: Umsonst und trotzdem!

Das legendäre Rockfestival in Bergedorf macht weiter – trotz Corona – und mit Hilfe der SHiP

Seit einundvierzig (!) Jahren wird in Bergedorf das Wutzrock-Festival veranstaltet, von Jugendlichen aus der Jugendzentrumsbewegung in 1979 angestoßen. Zuerst im Billtal-Stadion und nach einigen Wechseln jetzt schon jahrelang am Eichbaumsee. Mit dem Slogan „Umsonst und draußen“ ist es das einzige Rockfestival in Norddeutschland, das ohne Ticketpreise auskommt. Die Besucherzahlen gehen in die Tausende.

Aus dem Geschichtsbuch des Festivals:
„Wenn Wutzrock ruft, helfen auch heute noch Aktivisten aus der Anfangszeit im Organisationsteam des Festivals, sie stehen an den Reglern des Mischpults oder als Bierzapfer hinterm Tresen. Obwohl das Festival seit Anfang der 90er Jahre an Größe zulegte, hat es nichts von seinem originären und alternativen Charme verloren. Dazu gehört auch, dass alle Menschen, die Wutzrock organisieren, dies völlig umsonst tun. Niemand bekommt Geld für seine Mitarbeit – es verlangt auch keiner. Auch die Künstler und Künstlerinnen treten nicht zu ihren regulären Gagen auf, sondern helfen mit, den Wutzrock-Gedanken zu unterstützen: Von den Menschen für die Menschen. Das ist Wutzrock: Solidarisch, nicht kommerziell, gegen Sexismus und antifaschistisch.“

Und im 42sten Jahr sollte es (wegen Corona) nicht stattfinden? Das durfte nicht sein! Also hat das Wutzrock-Team die Bands drinnen und ohne Publikum aufgenommen und im Internet gestreamt, so dass alle Musikfans die Auftritte gleichzeitig sehen und hören konnten. Das war mit immensen Kosten verbunden. Und es gab keinerlei Einnahmen: das Festival finanziert sich ausschließlich aus dem Getränkeverkauf, und der fiel komplett aus. Deshalb haben wir beschlossen, die Organisation des Festivals mit 1.500 Euro zu unterstützen.

Hier der Bericht, den uns das Wutzrock-Team geschickt hat:

Alle Fotos von: Galactic Entertainment e.V.

Wutzrock 2019: So ist es normal, 5.000 BesucherInnen am Tag

Wutzrock 2020: Von dieser Bühne aus gingen die Konzerte online

Wutzrock 2020 – ein Zeichen für die Kultur

Das Gefühl war fast wie beim ersten Wutzrock. Damals hatte noch niemand aus der Gruppe ein Freiluft-Festival organisiert. Trotzdem ging 1979 das erste Wutzrock im Billtalstadion buchstäblich über die Bühne. Dieses Jahr, 41 Wutzrock später, gab es wieder eine Premiere.

Ein Wutzrock im Internet – wegen Corona.

Keine Bühnen am Eichbaumsee, kein Zelten, keine drei Tage Musik, Kleinkunst und kein Kinderfest. Und trotzdem sollte es auch 2020 ein Wutzrock geben – denn ein Jahr ohne Wutzrock ist eigentlich nicht vorstellbar. Nicht für die rund 500 ehrenamtlichen Helfer*innen, auch nicht für die Tausenden Menschen, die jedes Jahr kommen, um Wutzrock zu unterstützen und um ein Zeichen zu setzen, gegen Faschismus, gegen Rassismus, gegen Sexismus und gegen jede Form von Gewalt. Im Vordergrund sollte diesmal aber nicht allein die Kultur stehen, sondern vor allem die Kulturschaffenden und all jene, die in diesem Bereich arbeiten und es derzeit sehr schwer haben. Künstler*innen, Techniker*innen, Verleihfirmen, sie halfen immer, wenn es schlecht lief für Wutzrock. Wenn ein Orkan das Festival frühzeitig beendete oder wenn wegen Dauerregen niemand kam. Dann verzichteten Künstler*innen auf ihre ohnehin symbolische Gage, organisierten Hilfskonzerte, und die Verleiher von Bühne und Technik verlangten keine Miete. Denn auch ein „Umsonst&draußen“-Festival kostet etwas. 

Wutzrock 2020 war somit eine gute Gelegenheit, etwas zurückzugeben.

Mit dem Verkauf von Wutzrock-Care-Paketen wurden Spenden gesammelt, um den Soforthilfe-Fonds von RockCity zu unterstützen. Dieser Fonds hilft allen Künstler*innen, die wegen Corona in finanzielle Not geraten sind. Das Kulturzentrum Lola stellte die Räume zur Verfügung. Sechs Studiokameras, acht Kilometer Kabel, 80 Scheinwerfer und 40 Helfer*innen machten aus den fünf Stunden Livestream ein wirkliches Wutzrock-Erlebnis. Am 8. August um 17 Uhr ging es los mit dem Kinderfest. Es folgten vier Stunden mit Musik, Informationsvideos von Fluchtpunkt Bergedorf oder SeaWatch und filmischen Blicken hinter die Kulissen früherer Wutzrock. Mehr als 3500 Menschen haben sich das Musikprogramm bis heute angesehen und gut 1100 sahen bisher das Kinderprogramm. Ebenfalls neu: Wutzrock-Fans können dieses Mal Wutzrock auch Re-Live erleben – via YouTube, immer und überall.

Der Pioniergeist vom Anfang ist noch da, und die Lust am Neuen auch. Das galt für die Veteranen vom ersten Mal – ja, die gibt es noch – genauso wie für die Jungen, die diesmal eine ganz andere Festival-Dynamik erlebten.

Der nächste Wutzrock-Termin steht übrigens schon fest. Wir sehen uns vom 20.-22. August 2021 - hoffentlich wieder am Eichbaumsee.

Hier können Sie das Wutzrock-Festival 2020 noch selbst genießen:

https://www.youtube.com/watch?v=IgB7FX6-R2Y